Der Long Call: Eine der einfachsten Strategien im Optionshandel

Dean M. Gröning
von Dean M. Gröning
Der Long Call: Eine der einfachsten Strategien im Optionshandel

Lektion 2 von 6

Viele Privatanleger steigen in den Optionshandel mit dem Long Call ein - und verlieren Geld.

Nicht, weil die Strategie schlecht ist, sondern weil sie falsch verstanden wird.

Was ist ein Long Call?

Der Long Call ist eine der vier Basisstrategien im Optionshandel.

Long Call: Kauf einer Call-Option (Kaufoption)

Sie berechtigt den Käufer dazu, das Underlying (beispielsweise eine Aktie oder ein Index) innerhalb einer festgelegten Frist zu einem vorher fixierten Preis kaufen zu können. 

Unabhängig davon, wie der aktuelle Marktpreis des Underlyings steht (1) (2)

Wie funktioniert ein Long Call?

Beim Long Call schließen zwei Parteien einen (Options-)Vertrag zu folgenden Bedingungen:

Der Käufer der Option

Du, als Käufer der Call-Option, bekommst das Recht, den Basiswert während der Laufzeit der Option zum vorher fixierten Strike-Preis kaufen zu können.

Du erwirbst hier lediglich das Recht, gehst jedoch keine Pflicht ein. Du hast also eine Option, daher auch der Name.

Für den Erwerb dieses Rechts bezahlst du eine kleine Gebühr an den Verkäufer der Option, die sogenannte Optionsprämie.

Der Verkäufer der Option

Dein Vertragspartner, der Verkäufer der Option, geht die Verpflichtung ein, dir den Basiswert zum Strike-Preis liefern zu müssen, wenn du die Option ausüben möchtest.

Für diese Verpflichtung erhält er von dir im Gegenzug die Optionsprämie

Diese darf er auf jeden Fall behalten, unabhängig davon, ob du die Option ausübst oder verfallen lässt.

Ein einfaches Beispiel

Nehmen wir an, du interessierst dich für die Aktie ABC, welche aktuell zu 500 USD an der Börse gehandelt wird. Du rechnest mit weiteren Preisanstiegen in der Zukunft.

Anstatt nun die Aktien direkt zu kaufen, handelst du einen Long Call. Du kaufst also eine Kauf-Option mit einer Restlaufzeit von beispielsweise 90 Tagen und einem Strike von 505 USD.

Diese Option berechtigt dich nun dazu, 

  • innerhalb der nächsten 90 Tage jederzeit 
  • die Aktie zum Preis von 505 USD kaufen zu können
  • aber nicht kaufen zu müssen

Für den Erwerb dieses Rechts zahlst du die Optionsprämie an den Verkäufer. In unserem Beispiel vielleicht 100 USD.

Dein Long Call hat demnach die folgende Payoff-Struktur (1) (3)

Long Call Payoff Struktur

Du machst Verlust, wenn ...

Notiert die Aktie in unserem Beispiel bei 505 USD oder weniger, machst du einen Verlust in Höhe der gezahlten Prämie.

Du wirst die Option nämlich wertlos verfallen lassen, da es für dich günstiger ist, die Aktie direkt an der Börse zu kaufen (statt über die Option).

Liegt der Kurs zwischen 505 USD und 506 USD, machst du noch einen kleinen Verlust

Du kannst die Aktie jetzt über die Option für 505 USD kaufen und beispielsweise für 505,50 USD an der Börse verkaufen. Dafür hast du aber noch die Kosten der Optionsprämie in Höhe von 100 USD. 

Merke: Eine Option gilt immer für 100 Aktien

Also wären bei 505,50 USD deine Einnahmen 50 USD (Differenz An- und Verkauf der Aktie) und deine Ausgaben 100 USD (Prämie). 

Du machst also noch einen kleinen Verlust von 50 USD.

Du bist Break even, wenn ...

Steht der Kurs der Aktie bei 506 USD, bist du Break even:

  • Du kaufst 100 Aktien über die Option zu 505 USD (Strike)
  • Du verkaufst sie zu 506 USD an der Börse
  • Du erzielst 100 USD Kursgewinne
  • Du hast 100 USD Kosten für die Prämie

Du machst Gewinn, wenn ...

Steigt der Preis der Aktie über 506 USD, machst du Profit

Je höher der Kurs steigt, desto größer fällt dein Gewinn aus

Der Hebel-Effekt einfach erklärt

Optionen haben einen sogenannten Hebel-Effekt (Leverage), der sich in einem prozentual höheren Ergebnis bemerkbar macht. 

Der Grund dafür ist der niedrige Kapitaleinsatz.

Die folgende Grafik verdeutlicht die Idee (1) (4)

Long Call Hebeleffekt

Der Hebel-Effekt entsteht dadurch, dass der Kapitaleinsatz - bei gleichem Profit - unterschiedlich hoch ist:

  • Beim Handel einer Option musst du lediglich die Prämie zahlen.
  • Beim Kauf der Aktien fällt der Kapitaleinsatz (Anzahl der gekauften Aktien x Preis je Aktie) deutlich höher aus

Wann macht ein Long Call Sinn?

Du kannst einen Long Call handeln, wenn du

  • mit stark steigenden Kursen rechnest und gleichzeitig
  • nur begrenzt Kapital oder Risiko tragen möchtest (1) (4)

Ausserdem kannst du alternativ zu einem reinen Aktienkauf einen kleinen Optionsanteil in deinem Depot (10%) beimischen und dadurch auf höhere Renditen spekulieren (4)

Ihren größten Nutzen spielen Long Calls jedoch aus, wenn du einfach auf überproportionale Gewinne spekulieren möchtest und die Hebelwirkung des Long Call nutzt (5) (6)

Chancen und Risiken eines Long Calls

Die Strategie des Long Call beinhaltet - wie jede andere Strategie auch - bestimmte Chancen und Risiken.

Chancen des Long Call

Wenn du einen Long Call handelst, kannst du

  • überproportionale Gewinne bei stark steigenden Kursen erzielen (5) (1) (4)
  • dein Verlustrisiko im Vorfeld klar begrenzen (Höhe der gezahlten Prämie) (1) (7)

Risiken des Long Call

Die Chancen auf die überproportionalen Gewinne bezahlst du hingegen mit

  • einem Risiko auf Totalverlust deines eingesetzten Kapitals

Dieser Fall tritt ein, wenn der Kurs nicht schnell/stark genug ansteigt und du die Option deswegen wertlos verfallen lässt (1) (8)

Typische Fehler beim Long Call

Warum verlieren Anleger jetzt mit dem Long Call Geld, wenn doch einem klar fixierten Risiko ein unbegrenzter Gewinn gegenübersteht?

Die häufigsten Fehler bei der Anwendung der Strategie sind:

1. Fokus auf billige Calls

Viele Händler ziehen bei der Auswahl der Calls lediglich den Optionspreis als Auswahlkriterium zu Rate.

Als Folge dessen kaufen Sie dann die günstigsten Calls.

Welche jedoch den größten Abstand zwischen Strike und aktuellem Kurs des Basiswertes aufweisen.

Daher ist hier ein sehr schneller und sehr starker Anstieg des Kurs des Basiswertes von Nöten. 

Und wenn der ausbleibt, verfällt die Option wertlos und die gezahlte Prämie stellt einen Totalverlust dar (9) (10)

2. Glättung der Effekte über die Zeit

Viele Händler erzielen mal mit einem Long Call einen überdurchschnittlich hohen Gewinn.

Dieser Gewinn wird dann jedoch häufig durch den Verlust bei Folge-Trades (Option verfällt wertlos und Prämienausgabe stellt Totalverlust dar) wieder gemindert.

In Summe ergibt dies über längere Zeiträume betrachtet nicht den Rendite-Boost in der erwarteten Höhe (9)

3. Fehlendes Fachwissen über Kosten und Mechanik

Als letzter Fehler bei der Anwendung des Long Call ist fehlendes Fachwissen über beispielsweise Transaktionskosten und/oder Chance-Risiko-Verhältnisse zu nennen.

Auf Grund dieses Mangels werden Optionen mit schlechten Chancen auf Profit ausgewählt (10) (11)

Long Call vs. Aktienkauf

Viele Anleger nutzen Long Calls als Alternative zum direkten Aktienkauf.

Die Unterschiede zwischen beiden Strategien kannst du der folgenden Grafik entnehmen (1) (2) (4)

Long Call vs Aktienkauf

Ist ein Kursanstieg sehr wahrscheinlich und du möchtest auf diesen spekulieren, ist der Long Call als Strategie dem direkten Aktienkauf überlegen.

Möchtest du jedoch langfristig von der Entwicklung einer Aktie profitieren (Dividenden, Kursentwicklung) ist der direkte Aktienkauf die geeignete Herangehensweise.

Fazit: Für wen ist ein Long Call geeignet

Für mich ist der Long Call eine Möglichkeit, um mit geringem Kapitaleinsatz bewusst spekulieren zu können um ggf. hohe Renditen zu erwirtschaften.

Voraussetzung dafür sind jedoch ein gutes Fachwissen über die Risiken und Funktionsweise dieser Strategie.

Wer den Long Call versteht und sauber anwendet, kann seinen Hebel bewusst nutzen, um seine Renditen zu verbessern. Wer den Hebel nicht versteht, wird dafür bezahlen.

Lust auf mehr?

Möchtest du dein Grundlagenwissen über Optionen festigen, schau dir den Beitrag zu den Basics an:

"Was sind Optionen?" (1 von 6)

Wenn du wissen möchtest, wie du mit Optionen bei fallenden Kursen Gewinne erzielen kannst, starte mit der nächsten Lektion:

"Was ist ein Short Put?" (3 von 6)


Literatur / Quellen

(1) Yuan, B. (2022). Investment Strategies for Retail Investors Using Put option and Covered Call. BCP Business & Management. 

https://doi.org/10.54691/bcpbm.v29i.2300.

(2) Cuthbertson, K., Nitzsche, D. and O'Sullivan, N. (2019). Options Markets. In Derivatives (eds K. Cuthbertson, D. Nitzsche and N. O'Sullivan). 

https://doi.org/10.1002/9781119595663.ch14

(3) P., S., E., G., , R., L., K., & Matha, R. (2022). Choosing the right options trading strategy: Risk-return trade-off and performance in different market conditions. Investment Management and Financial Innovations. 

https://doi.org/10.21511/imfi.19(2).2022.04.

(4) Trainor, W., Chhachhi, I., & Brown, C. (2019). Leaping Black Swans. , 28, 64 - 76. 

https://doi.org/10.3905/joi.2019.28.1.064.

(5) Ge, L., Lin, T., & Pearson, N. (2016). Why Does the Option to Stock Volume Ratio Predict Stock Returns. Journal of Financial Economics, 120, 601-622. 

https://doi.org/10.1016/j.jfineco.2015.08.019.

(6) Liu, Y., & Piccotti, L. (2024). Synthetic long stock and option trading: Evidence from stock splits. Journal of Financial Research. 

https://doi.org/10.1111/jfir.12404.

(7) P., S., E., G., Acharya, R., G, V., & Matha, R. (2022). Are Options Trading Strategies Really Effective for Hedging in the Indian Derivatives Market?. Cogent Economics & Finance, 10. 

https://doi.org/10.1080/23322039.2022.2111783.

(8) Thomsett, M. (2013). Strategy # 2: Long/Short-Call Strategy, Uncovered Short Side. , 213-225. 

https://doi.org/10.1057/9781137344113_12.

(9) Buckle, D. (2022). The Impact of Options on Investment Portfolios in the Short-Run and the Long-Run, with a Focus on Downside Protection and Call Overwriting. Mathematics. 

https://doi.org/10.3390/math10091563.

(10) Kang, C., Kim, D., Kim, J., & Lee, G. (2022). Informed trading of out‐of‐the‐money options and market efficiency. Journal of Financial Research. 

https://doi.org/10.1111/jfir.12274.

(11) Zhou, Y. (2021). Option trading volume by moneyness, firm fundamentals, and expected stock returns. Journal of Financial Markets, 100648. 

https://doi.org/10.1016/j.finmar.2021.100648.

Dean M. Gröning

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