

Lektion 2 von 6
Viele Privatanleger steigen in den Optionshandel mit dem Long Call ein - und verlieren Geld.
Nicht, weil die Strategie schlecht ist, sondern weil sie falsch verstanden wird.
Der Long Call ist eine der vier Basisstrategien im Optionshandel.
Long Call: Kauf einer Call-Option (Kaufoption)
Sie berechtigt den Käufer dazu, das Underlying (beispielsweise eine Aktie oder ein Index) innerhalb einer festgelegten Frist zu einem vorher fixierten Preis kaufen zu können.
Unabhängig davon, wie der aktuelle Marktpreis des Underlyings steht (1) (2)
Beim Long Call schließen zwei Parteien einen (Options-)Vertrag zu folgenden Bedingungen:
Du, als Käufer der Call-Option, bekommst das Recht, den Basiswert während der Laufzeit der Option zum vorher fixierten Strike-Preis kaufen zu können.
Du erwirbst hier lediglich das Recht, gehst jedoch keine Pflicht ein. Du hast also eine Option, daher auch der Name.
Für den Erwerb dieses Rechts bezahlst du eine kleine Gebühr an den Verkäufer der Option, die sogenannte Optionsprämie.
Dein Vertragspartner, der Verkäufer der Option, geht die Verpflichtung ein, dir den Basiswert zum Strike-Preis liefern zu müssen, wenn du die Option ausüben möchtest.
Für diese Verpflichtung erhält er von dir im Gegenzug die Optionsprämie.
Diese darf er auf jeden Fall behalten, unabhängig davon, ob du die Option ausübst oder verfallen lässt.
Nehmen wir an, du interessierst dich für die Aktie ABC, welche aktuell zu 500 USD an der Börse gehandelt wird. Du rechnest mit weiteren Preisanstiegen in der Zukunft.
Anstatt nun die Aktien direkt zu kaufen, handelst du einen Long Call. Du kaufst also eine Kauf-Option mit einer Restlaufzeit von beispielsweise 90 Tagen und einem Strike von 505 USD.
Diese Option berechtigt dich nun dazu,
Für den Erwerb dieses Rechts zahlst du die Optionsprämie an den Verkäufer. In unserem Beispiel vielleicht 100 USD.
Dein Long Call hat demnach die folgende Payoff-Struktur (1) (3)
Notiert die Aktie in unserem Beispiel bei 505 USD oder weniger, machst du einen Verlust in Höhe der gezahlten Prämie.
Du wirst die Option nämlich wertlos verfallen lassen, da es für dich günstiger ist, die Aktie direkt an der Börse zu kaufen (statt über die Option).
Liegt der Kurs zwischen 505 USD und 506 USD, machst du noch einen kleinen Verlust.
Du kannst die Aktie jetzt über die Option für 505 USD kaufen und beispielsweise für 505,50 USD an der Börse verkaufen. Dafür hast du aber noch die Kosten der Optionsprämie in Höhe von 100 USD.
Merke: Eine Option gilt immer für 100 Aktien
Also wären bei 505,50 USD deine Einnahmen 50 USD (Differenz An- und Verkauf der Aktie) und deine Ausgaben 100 USD (Prämie).
Du machst also noch einen kleinen Verlust von 50 USD.
Steht der Kurs der Aktie bei 506 USD, bist du Break even:
Steigt der Preis der Aktie über 506 USD, machst du Profit.
Je höher der Kurs steigt, desto größer fällt dein Gewinn aus
Optionen haben einen sogenannten Hebel-Effekt (Leverage), der sich in einem prozentual höheren Ergebnis bemerkbar macht.
Der Grund dafür ist der niedrige Kapitaleinsatz.
Die folgende Grafik verdeutlicht die Idee (1) (4)
Der Hebel-Effekt entsteht dadurch, dass der Kapitaleinsatz - bei gleichem Profit - unterschiedlich hoch ist:
Du kannst einen Long Call handeln, wenn du
Ausserdem kannst du alternativ zu einem reinen Aktienkauf einen kleinen Optionsanteil in deinem Depot (10%) beimischen und dadurch auf höhere Renditen spekulieren (4)
Ihren größten Nutzen spielen Long Calls jedoch aus, wenn du einfach auf überproportionale Gewinne spekulieren möchtest und die Hebelwirkung des Long Call nutzt (5) (6)
Die Strategie des Long Call beinhaltet - wie jede andere Strategie auch - bestimmte Chancen und Risiken.
Wenn du einen Long Call handelst, kannst du
Die Chancen auf die überproportionalen Gewinne bezahlst du hingegen mit
Dieser Fall tritt ein, wenn der Kurs nicht schnell/stark genug ansteigt und du die Option deswegen wertlos verfallen lässt (1) (8)
Warum verlieren Anleger jetzt mit dem Long Call Geld, wenn doch einem klar fixierten Risiko ein unbegrenzter Gewinn gegenübersteht?
Die häufigsten Fehler bei der Anwendung der Strategie sind:
Viele Händler ziehen bei der Auswahl der Calls lediglich den Optionspreis als Auswahlkriterium zu Rate.
Als Folge dessen kaufen Sie dann die günstigsten Calls.
Welche jedoch den größten Abstand zwischen Strike und aktuellem Kurs des Basiswertes aufweisen.
Daher ist hier ein sehr schneller und sehr starker Anstieg des Kurs des Basiswertes von Nöten.
Und wenn der ausbleibt, verfällt die Option wertlos und die gezahlte Prämie stellt einen Totalverlust dar (9) (10)
Viele Händler erzielen mal mit einem Long Call einen überdurchschnittlich hohen Gewinn.
Dieser Gewinn wird dann jedoch häufig durch den Verlust bei Folge-Trades (Option verfällt wertlos und Prämienausgabe stellt Totalverlust dar) wieder gemindert.
In Summe ergibt dies über längere Zeiträume betrachtet nicht den Rendite-Boost in der erwarteten Höhe (9)
Als letzter Fehler bei der Anwendung des Long Call ist fehlendes Fachwissen über beispielsweise Transaktionskosten und/oder Chance-Risiko-Verhältnisse zu nennen.
Auf Grund dieses Mangels werden Optionen mit schlechten Chancen auf Profit ausgewählt (10) (11)
Viele Anleger nutzen Long Calls als Alternative zum direkten Aktienkauf.
Die Unterschiede zwischen beiden Strategien kannst du der folgenden Grafik entnehmen (1) (2) (4)

Ist ein Kursanstieg sehr wahrscheinlich und du möchtest auf diesen spekulieren, ist der Long Call als Strategie dem direkten Aktienkauf überlegen.
Möchtest du jedoch langfristig von der Entwicklung einer Aktie profitieren (Dividenden, Kursentwicklung) ist der direkte Aktienkauf die geeignete Herangehensweise.
Für mich ist der Long Call eine Möglichkeit, um mit geringem Kapitaleinsatz bewusst spekulieren zu können um ggf. hohe Renditen zu erwirtschaften.
Voraussetzung dafür sind jedoch ein gutes Fachwissen über die Risiken und Funktionsweise dieser Strategie.
Wer den Long Call versteht und sauber anwendet, kann seinen Hebel bewusst nutzen, um seine Renditen zu verbessern. Wer den Hebel nicht versteht, wird dafür bezahlen.
Möchtest du dein Grundlagenwissen über Optionen festigen, schau dir den Beitrag zu den Basics an:
"Was sind Optionen?" (1 von 6)
Wenn du wissen möchtest, wie du mit Optionen bei fallenden Kursen Gewinne erzielen kannst, starte mit der nächsten Lektion:
"Was ist ein Short Put?" (3 von 6)
(1) Yuan, B. (2022). Investment Strategies for Retail Investors Using Put option and Covered Call. BCP Business & Management.
https://doi.org/10.54691/bcpbm.v29i.2300.
(2) Cuthbertson, K., Nitzsche, D. and O'Sullivan, N. (2019). Options Markets. In Derivatives (eds K. Cuthbertson, D. Nitzsche and N. O'Sullivan).
https://doi.org/10.1002/9781119595663.ch14
(3) P., S., E., G., , R., L., K., & Matha, R. (2022). Choosing the right options trading strategy: Risk-return trade-off and performance in different market conditions. Investment Management and Financial Innovations.
https://doi.org/10.21511/imfi.19(2).2022.04.
(4) Trainor, W., Chhachhi, I., & Brown, C. (2019). Leaping Black Swans. , 28, 64 - 76.
https://doi.org/10.3905/joi.2019.28.1.064.
(5) Ge, L., Lin, T., & Pearson, N. (2016). Why Does the Option to Stock Volume Ratio Predict Stock Returns. Journal of Financial Economics, 120, 601-622.
https://doi.org/10.1016/j.jfineco.2015.08.019.
(6) Liu, Y., & Piccotti, L. (2024). Synthetic long stock and option trading: Evidence from stock splits. Journal of Financial Research.
https://doi.org/10.1111/jfir.12404.
(7) P., S., E., G., Acharya, R., G, V., & Matha, R. (2022). Are Options Trading Strategies Really Effective for Hedging in the Indian Derivatives Market?. Cogent Economics & Finance, 10.
https://doi.org/10.1080/23322039.2022.2111783.
(8) Thomsett, M. (2013). Strategy # 2: Long/Short-Call Strategy, Uncovered Short Side. , 213-225.
https://doi.org/10.1057/9781137344113_12.
(9) Buckle, D. (2022). The Impact of Options on Investment Portfolios in the Short-Run and the Long-Run, with a Focus on Downside Protection and Call Overwriting. Mathematics.
https://doi.org/10.3390/math10091563.
(10) Kang, C., Kim, D., Kim, J., & Lee, G. (2022). Informed trading of out‐of‐the‐money options and market efficiency. Journal of Financial Research.
https://doi.org/10.1111/jfir.12274.
(11) Zhou, Y. (2021). Option trading volume by moneyness, firm fundamentals, and expected stock returns. Journal of Financial Markets, 100648.

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