investolab.de https://www.investolab.de/blog/ Fri, 19 Jun 2026 04:22:42 +0000 de-DE hourly 1 Der Long Call: Eine der einfachsten Strategien im Optionshandel https://www.investolab.de/blog/der-long-call/ https://www.investolab.de/blog/der-long-call/#comments Sat, 25 Apr 2026 13:23:00 +0000 https://www.investolab.de/blog/der-long-call/ Weiterlesen

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Lektion 2 von 6

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist ein Long Call?
  2. Wie funktioniert ein Long Call?
  3. Ein einfaches Beispiel
  4. Der Hebel-Effekt einfach erklärt
  5. Wann macht ein Long Call Sinn?
  6. Chancen und Risiken eines Long Calls
  7. Typische Fehler beim Long Call
  8. Long Call vs. Aktienkauf
  9. Fazit: Für wen ist ein Long Call geeignet
  10. Lust auf mehr?
  11. Literatur / Quellen

Viele Privatanleger steigen in den Optionshandel mit dem Long Call ein - und verlieren Geld.

Nicht, weil die Strategie schlecht ist, sondern weil sie falsch verstanden wird.

1. Was ist ein Long Call?

Der Long Call ist eine der vier Basisstrategien im Optionshandel.

Long Call: Kauf einer Call-Option (Kaufoption)

Sie berechtigt den Käufer dazu, das Underlying (beispielsweise eine Aktie oder ein Index) innerhalb einer festgelegten Frist zu einem vorher fixierten Preis kaufen zu können. 

Unabhängig davon, wie der aktuelle Marktpreis des Underlyings steht (1) (2)

2. Wie funktioniert ein Long Call?

Beim Long Call schließen zwei Parteien einen (Options-)Vertrag zu folgenden Bedingungen:

Der Käufer der Option

Du, als Käufer der Call-Option, bekommst das Recht, den Basiswert während der Laufzeit der Option zum vorher fixierten Strike-Preis kaufen zu können.

Du erwirbst hier lediglich das Recht, gehst jedoch keine Pflicht ein. Du hast also eine Option, daher auch der Name.

Für den Erwerb dieses Rechts bezahlst du eine kleine Gebühr an den Verkäufer der Option, die sogenannte Optionsprämie.

Der Verkäufer der Option

Dein Vertragspartner, der Verkäufer der Option, geht die Verpflichtung ein, dir den Basiswert zum Strike-Preis liefern zu müssen, wenn du die Option ausüben möchtest.

Für diese Verpflichtung erhält er von dir im Gegenzug die Optionsprämie

Diese darf er auf jeden Fall behalten, unabhängig davon, ob du die Option ausübst oder verfallen lässt.

3. Ein einfaches Beispiel

Nehmen wir an, du interessierst dich für die Aktie ABC, welche aktuell zu 500 USD an der Börse gehandelt wird. Du rechnest mit weiteren Preisanstiegen in der Zukunft.

Anstatt nun die Aktien direkt zu kaufen, handelst du einen Long Call. Du kaufst also eine Kauf-Option mit einer Restlaufzeit von beispielsweise 90 Tagen und einem Strike von 505 USD.

Diese Option berechtigt dich nun dazu, 

  • innerhalb der nächsten 90 Tage jederzeit 
  • die Aktie zum Preis von 505 USD kaufen zu können
  • aber nicht kaufen zu müssen

Für den Erwerb dieses Rechts zahlst du die Optionsprämie an den Verkäufer. In unserem Beispiel vielleicht 100 USD.

Dein Long Call hat demnach die folgende Payoff-Struktur (1) (3)

Long Call Payoff Struktur

Du machst Verlust, wenn ...

Notiert die Aktie in unserem Beispiel bei 505 USD oder weniger, machst du einen Verlust in Höhe der gezahlten Prämie.

Du wirst die Option nämlich wertlos verfallen lassen, da es für dich günstiger ist, die Aktie direkt an der Börse zu kaufen (statt über die Option).

Liegt der Kurs zwischen 505 USD und 506 USD, machst du noch einen kleinen Verlust

Du kannst die Aktie jetzt über die Option für 505 USD kaufen und beispielsweise für 505,50 USD an der Börse verkaufen. Dafür hast du aber noch die Kosten der Optionsprämie in Höhe von 100 USD. 

Merke: Eine Option gilt immer für 100 Aktien

Also wären bei 505,50 USD deine Einnahmen 50 USD (Differenz An- und Verkauf der Aktie) und deine Ausgaben 100 USD (Prämie). 

Du machst also noch einen kleinen Verlust von 50 USD.

Du bist Break even, wenn ...

Steht der Kurs der Aktie bei 506 USD, bist du Break even:

  • Du kaufst 100 Aktien über die Option zu 505 USD (Strike)
  • Du verkaufst sie zu 506 USD an der Börse
  • Du erzielst 100 USD Kursgewinne
  • Du hast 100 USD Kosten für die Prämie

Du machst Gewinn, wenn ...

Steigt der Preis der Aktie über 506 USD, machst du Profit

Je höher der Kurs steigt, desto größer fällt dein Gewinn aus

4. Der Hebel-Effekt einfach erklärt

Optionen haben einen sogenannten Hebel-Effekt (Leverage), der sich in einem prozentual höheren Ergebnis bemerkbar macht. 

Der Grund dafür ist der niedrige Kapitaleinsatz.

Die folgende Grafik verdeutlicht die Idee (1) (4)

Long Call Hebeleffekt

Der Hebel-Effekt entsteht dadurch, dass der Kapitaleinsatz - bei gleichem Profit - unterschiedlich hoch ist:

  • Beim Handel einer Option musst du lediglich die Prämie zahlen.
  • Beim Kauf der Aktien fällt der Kapitaleinsatz (Anzahl der gekauften Aktien x Preis je Aktie) deutlich höher aus

5. Wann macht ein Long Call Sinn?

Du kannst einen Long Call handeln, wenn du

  • mit stark steigenden Kursen rechnest und gleichzeitig
  • nur begrenzt Kapital oder Risiko tragen möchtest (1) (4)

Ausserdem kannst du alternativ zu einem reinen Aktienkauf einen kleinen Optionsanteil in deinem Depot (10%) beimischen und dadurch auf höhere Renditen spekulieren (4)

Ihren größten Nutzen spielen Long Calls jedoch aus, wenn du einfach auf überproportionale Gewinne spekulieren möchtest und die Hebelwirkung des Long Call nutzt (5) (6)

6. Chancen und Risiken eines Long Calls

Die Strategie des Long Call beinhaltet - wie jede andere Strategie auch - bestimmte Chancen und Risiken.

Chancen des Long Call

Wenn du einen Long Call handelst, kannst du

  • überproportionale Gewinne bei stark steigenden Kursen erzielen (5) (1) (4)
  • dein Verlustrisiko im Vorfeld klar begrenzen (Höhe der gezahlten Prämie) (1) (7)

Risiken des Long Call

Die Chancen auf die überproportionalen Gewinne bezahlst du hingegen mit

  • einem Risiko auf Totalverlust deines eingesetzten Kapitals

Dieser Fall tritt ein, wenn der Kurs nicht schnell/stark genug ansteigt und du die Option deswegen wertlos verfallen lässt (1) (8)

7. Typische Fehler beim Long Call

Warum verlieren Anleger jetzt mit dem Long Call Geld, wenn doch einem klar fixierten Risiko ein unbegrenzter Gewinn gegenübersteht?

Die häufigsten Fehler bei der Anwendung der Strategie sind:

1. Fokus auf billige Calls

Viele Händler ziehen bei der Auswahl der Calls lediglich den Optionspreis als Auswahlkriterium zu Rate.

Als Folge dessen kaufen Sie dann die günstigsten Calls.

Welche jedoch den größten Abstand zwischen Strike und aktuellem Kurs des Basiswertes aufweisen.

Daher ist hier ein sehr schneller und sehr starker Anstieg des Kurs des Basiswertes von Nöten. 

Und wenn der ausbleibt, verfällt die Option wertlos und die gezahlte Prämie stellt einen Totalverlust dar (9) (10)

2. Glättung der Effekte über die Zeit

Viele Händler erzielen mal mit einem Long Call einen überdurchschnittlich hohen Gewinn.

Dieser Gewinn wird dann jedoch häufig durch den Verlust bei Folge-Trades (Option verfällt wertlos und Prämienausgabe stellt Totalverlust dar) wieder gemindert.

In Summe ergibt dies über längere Zeiträume betrachtet nicht den Rendite-Boost in der erwarteten Höhe (9)

3. Fehlendes Fachwissen über Kosten und Mechanik

Als letzter Fehler bei der Anwendung des Long Call ist fehlendes Fachwissen über beispielsweise Transaktionskosten und/oder Chance-Risiko-Verhältnisse zu nennen.

Auf Grund dieses Mangels werden Optionen mit schlechten Chancen auf Profit ausgewählt (10) (11)

8. Long Call vs. Aktienkauf

Viele Anleger nutzen Long Calls als Alternative zum direkten Aktienkauf.

Die Unterschiede zwischen beiden Strategien kannst du der folgenden Grafik entnehmen (1) (2) (4)

Long Call vs Aktienkauf

Ist ein Kursanstieg sehr wahrscheinlich und du möchtest auf diesen spekulieren, ist der Long Call als Strategie dem direkten Aktienkauf überlegen.

Möchtest du jedoch langfristig von der Entwicklung einer Aktie profitieren (Dividenden, Kursentwicklung) ist der direkte Aktienkauf die geeignete Herangehensweise.

9. Fazit: Für wen ist ein Long Call geeignet

Für mich ist der Long Call eine Möglichkeit, um mit geringem Kapitaleinsatz bewusst spekulieren zu können um ggf. hohe Renditen zu erwirtschaften.

Voraussetzung dafür sind jedoch ein gutes Fachwissen über die Risiken und Funktionsweise dieser Strategie.

Wer den Long Call versteht und sauber anwendet, kann seinen Hebel bewusst nutzen, um seine Renditen zu verbessern. Wer den Hebel nicht versteht, wird dafür bezahlen.

10. Lust auf mehr?

Möchtest du dein Grundlagenwissen über Optionen festigen, schau dir den Beitrag zu den Basics an:

"Was sind Optionen?" (1 von 6)

Wenn du wissen möchtest, wie du mit Optionen bei fallenden Kursen Gewinne erzielen kannst, starte mit der nächsten Lektion:

"Was ist ein Short Put?" (3 von 6)


11. Literatur / Quellen

(1) Yuan, B. (2022). Investment Strategies for Retail Investors Using Put option and Covered Call. BCP Business & Management. 

https://doi.org/10.54691/bcpbm.v29i.2300.

(2) Cuthbertson, K., Nitzsche, D. and O'Sullivan, N. (2019). Options Markets. In Derivatives (eds K. Cuthbertson, D. Nitzsche and N. O'Sullivan). 

https://doi.org/10.1002/9781119595663.ch14

(3) P., S., E., G., , R., L., K., & Matha, R. (2022). Choosing the right options trading strategy: Risk-return trade-off and performance in different market conditions. Investment Management and Financial Innovations. 

https://doi.org/10.21511/imfi.19(2).2022.04.

(4) Trainor, W., Chhachhi, I., & Brown, C. (2019). Leaping Black Swans. , 28, 64 - 76. 

https://doi.org/10.3905/joi.2019.28.1.064.

(5) Ge, L., Lin, T., & Pearson, N. (2016). Why Does the Option to Stock Volume Ratio Predict Stock Returns. Journal of Financial Economics, 120, 601-622. 

https://doi.org/10.1016/j.jfineco.2015.08.019.

(6) Liu, Y., & Piccotti, L. (2024). Synthetic long stock and option trading: Evidence from stock splits. Journal of Financial Research. 

https://doi.org/10.1111/jfir.12404.

(7) P., S., E., G., Acharya, R., G, V., & Matha, R. (2022). Are Options Trading Strategies Really Effective for Hedging in the Indian Derivatives Market?. Cogent Economics & Finance, 10. 

https://doi.org/10.1080/23322039.2022.2111783.

(8) Thomsett, M. (2013). Strategy # 2: Long/Short-Call Strategy, Uncovered Short Side. , 213-225. 

https://doi.org/10.1057/9781137344113_12.

(9) Buckle, D. (2022). The Impact of Options on Investment Portfolios in the Short-Run and the Long-Run, with a Focus on Downside Protection and Call Overwriting. Mathematics. 

https://doi.org/10.3390/math10091563.

(10) Kang, C., Kim, D., Kim, J., & Lee, G. (2022). Informed trading of out‐of‐the‐money options and market efficiency. Journal of Financial Research. 

https://doi.org/10.1111/jfir.12274.

(11) Zhou, Y. (2021). Option trading volume by moneyness, firm fundamentals, and expected stock returns. Journal of Financial Markets, 100648. 

https://doi.org/10.1016/j.finmar.2021.100648.

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Was sind Optionen? Einfach erklärt für Privatanleger https://www.investolab.de/blog/was-sind-optionen/ https://www.investolab.de/blog/was-sind-optionen/#comments Sat, 25 Apr 2026 09:12:00 +0000 https://www.investolab.de/blog/was-sind-optionen/ Weiterlesen

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Lektion 1 von 6

Inhaltsverzeichnis

  1. Was sind Optionen?
  2. Wie funktionieren Optionen einfach erklärt?
  3. Ein einfaches Beispiel zum Verständnis
  4. Welche Arten von Optionen gibt es?
  5. Warum nutzen Anleger Optionen?
  6. Chancen und Risiken von Optionen
  7. Fazit - Was sind Optionen
  8. Lust auf mehr?
  9. Literatur / Quellen

1. Was sind Optionen?

Eine Option ist im Grunde ein Vertrag zwischen zwei Parteien (dem Käufer und dem Verkäufer). Er vergibt ein Recht, aber keine Pflicht, zum Kauf oder Verkauf eines Vermögenswertes in der Zukunft.

Eine Option verbrieft ein Recht zum Kauf oder Verkauf des Basiswertes

Der Wert der Option hängt von dem zugrundeliegenden Basiswert (z.B. einer Aktie oder einem Index) ab. Daher gehören Optionen zur Gruppe der sogenannten Derivate.

Als Basiswert (Underlying) wird bei Optionen der Vermögenswert bezeichnet, auf den sich die jeweilige Option bezieht.

Der Strike (Ausführungskurs) ist der Kurs, zu dem der Basiswert mittels Option ge- oder verkauft werden kann. Er ändert sich während der Laufzeit nicht.

Optionen haben eine festgelegte Laufzeit. Innerhalb dieser Frist kann der Käufer sein Recht ausüben; nach Ablauf der Frist ist die Option wertlos (1) (2) (3) (4) (5) (6)

2. Wie funktionieren Optionen einfach erklärt?

Beim Handel einer Option schliessen der Käufer und der Verkäufer einen Vertrag ab.

Der Käufer der Option erwirbt das Recht, den Basiswert (auch Underlying) zu einem festgelegten Kurs innerhalb einer bestimmten Frist in der Zukunft kaufen oder verkaufen zu können.

Hierfür zahlt er eine Prämie an den Verkäufer. 

Die Prämie ist der Preis der Option. Sie hängt von mehreren Faktoren ab (Basiswert, Laufzeit, Strike etc.) und ändert sich je nach Marktlage.

Der Kauf einer Option beginnt immer mit einer Ausgabe

Der Verkäufer der Option geht die Verpflichtung ein, den Basiswert zum festgelegten Kurs innerhalb der bestimmten Frist liefern oder abnehmen zu müssen.

Für die Übernahme dieser Verpflichtung erhält er die Prämie vom Käufer. 

Der Verkauf einer Option beginnt immer mit einer Einnahme 

Der Verkäufer darf die Prämie immer behalten, unabhängig davon, ob der Käufer die Option ausübt oder verfallen lässt (1)

3. Ein einfaches Beispiel zum Verständnis

Nehmen wir einmal an, du hast 100 Aktien von XYZ im Depot und der Kurs der Aktie steht aktuell bei 120 USD.

Du rechnest mit einem Kursrückgang, bist dir jedoch diesbezüglich nicht sicher und möchtest die Aktien auch eigentlich nicht verkaufen.

Also kaufst du eine Put-Option zum Ausführungspreis (Strike) von 110 USD mit einer Laufzeit von 90 Tagen.

Diese Option verschafft dir das Recht, jedoch nicht die Pflicht, die XYZ Aktien innerhalb der nächsten 90 Tage jederzeit zum Preis von 110 USD verkaufen zu können. Unabhängig davon, ob der Kurs über oder auch weit unterhalb von 110 USD steht. 

Optionen können wie Versicherungen betrachtet werden

Für diese Option zahlst du eine Prämie von beispielsweise 75 USD an den Verkäufer der Option.

4. Welche Arten von Optionen gibt es?

Im Optionshandel werden zwei Arten von Optionen unterschieden:

  • Call-Option: Kauf-Option; sie berechtigt zum Kauf des Underlying zum Strike
  • Put-Option: Verkaufs-Option; sie berechtigt zum Verkauf des Underlyings zum Strike

Neben den Arten von Optionen gibt es noch die zwei Positionen im Handel, die du einnehmen kannst:

  • Long-Position: Du kaufst eine Option (Call oder Put)
  • Short-Position: Du verkaufst eine Option (Call oder Put)

Aus der Kombination von Optionsart und Position ergeben sich die folgenden 4 Möglichkeiten (1) (2) (5) (6)

Optionen in der Uebersicht 1

5. Warum nutzen Anleger Optionen?

Grundsätzlich werden Optionen aus den folgenden drei Gründen gehandelt:

5.1. Absicherung (Hedging)

Professionelle Investoren nutzen Optionen, um große Depots und Investments gegen Risiken (z.B. Kursverluste, Preisänderungen) abzusichern

Diese Art der Absicherung ist besonders beliebt/geschickt, da Optionen im Verhältnis sehr günstig und flexibel sind (3) (4) (7) (8)

5.2. Spekulation

Auf Grund ihrer Hebel-Wirkung (mit geringem Kapitaleinsatz können große Vermögenswerte bewegt werden) nutzen etliche Trader Optionen zum spekulieren (1) (2) (9)

5.3. Als Baustein strukturierter Produkte

Durch ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten nutzen Banken Optionen - in Verbindung mit beispielsweise Aktien oder Indices - um durch die Kombination feste Produkte für Privatanleger erstellen und anbieten zu können. 

Als Beispiel wären die sogenannten Discount-Zertifikate (günstiger Einstieg, begrenzter Gewinn) oder Aktienanleihen (feste Zinsen, dafür Risiko auf Aktienlieferung) zu nennen (9) (10) (11)

6. Chancen und Risiken von Optionen

Optionen sind unglaublich vielfältig und bieten eine große Bandbreite an Möglichkeiten. Sie beinhalten jedoch auch ein paar Risiken, welche du kennen solltest.

Das folgende Schaubild gibt dir eine erste Übersicht:

Chancen und Risiken von Optionen 1

Die Long-Positionen

Bei den Long-Positionen stehen sehr hohe Gewinne einem extrem niedrigen Kapitaleinsatz gegenüber. Dies bezeichnet man im Optionshandel als Leverage oder Hebel-Effekt und er kann für sehr hohe Renditen sorgen.

Dir muss jedoch auch bewusst sein, dass - mit der falschen Strategie  - der gesamte Kapitaleinsatz in Form der ausgegebenen Prämie verloren gehen kann. 

Dies würde einem Verlust von 100% entsprechen.

Die Short-Positionen

Bei den Short-Positionen hingegen ist der Gewinn auf die Höhe der eingenommenen Prämie begrenzt.

Da auf der anderen Seite hohe bis unbegrenzte Verlust-Risiken bestehen, erscheinen die Short-Positionen auf den ersten Blick unlukrativ.

Richtig eingesetzt kannst du jedoch hier sehr hohe Treffer-Quoten erzielen und somit ist auch diese Seite des Optionshandel interessant.

7. Fazit - Was sind Optionen?

Als ich vor etlichen Jahren angefangen habe, Optionen zu traden, dachte ich zunächst, den heiligen Gral des Investierens gefunden zu haben:

Ich wusste wenig über Optionen, habe mit großem Risiko getradet und spektakuläre Gewinne erzielt.

Welche ich 5 Wochen später mit nur einem einzigen Trade wieder verloren habe.

Da ist mir der eigentliche Charakter von Optionen klar geworden:

Optionen bieten fantastische Möglichkeiten, wenn man die Risiken richtig handhabt

Also habe ich gelernt, ausprobiert und (m)einen Weg gefunden, mit Optionen profitabel zu handeln.

Heute weiß ich:

Optionen sind kein Weg zum schnellen Reichtum

Aber sie sind eines der flexibelsten Werkzeuge, die du als Privatanleger nutzen kannst - wenn du sie verstehst.

8. Lust auf mehr?

Wenn du wissen möchtest, wie du Optionen einsetzen kannst, starte mit der nächsten Lektion:

"Was ist ein Long Call?" (2 von 6)


9. Literatur / Quellen

(1) Wu, J., Wang, Y., Zhu, M., Zheng, H., & Li, L. (2023). Exotic option pricing model of the Black–Scholes formula: a proactive investment strategy. , 11. 

https://doi.org/10.3389/fphy.2023.1201383.

(2) Wen, W., Yuan, Y., & Yang, J. (2021). Reinforcement Learning for Options Trading. Applied Sciences. 

https://doi.org/10.3390/app112311208.

(3) Ye, B., Pu, H., Song, Y., & Jiang, J. (2025). Design and pricing of an option product for China's green electricity-carbon medium and long-term markets. Environmental Impact Assessment Review. 

https://doi.org/10.1016/j.eiar.2025.107804.

(4) Zulfiqar, N., & Gulzar, S. (2021). Implied volatility estimation of bitcoin options and the stylized facts of option pricing. Financial Innovation, 7. 

https://doi.org/10.1186/s40854-021-00280-y.

(5) Alaje, A., Olayiwola, M., Adedokun, K., Adedeji, J., Oladapo, A., & Akeem, Y. (2023). The modified homotopy perturbation method and its application to the dynamics of price evolution in Caputo-fractional order Black Scholes model. Beni-Suef University Journal of Basic and Applied Sciences, 12. 

https://doi.org/10.1186/s43088-023-00433-1.

(6) Carbonneau, A., & Godin, F. (2020). Equal risk pricing of derivatives with deep hedging. Quantitative Finance, 21, 593 - 608. 

https://doi.org/10.1080/14697688.2020.1806343.

(7) Carbonneau, A. (2020). Deep hedging of long-term financial derivatives. Insurance: Mathematics and Economics. 

https://doi.org/10.1016/j.insmatheco.2021.03.017.

(8) Y., Pan, D., & Wang, T. (2020). Exchange options under clustered jump dynamics. Quantitative Finance, 20, 949 - 967. 

https://doi.org/10.1080/14697688.2019.1704045. 

(9) Xu, F., & , J. (2023). Intelligent option portfolio model with perspective of shadow price and risk-free profit. Financial Innovation, 9, 1-28. 

https://doi.org/10.1186/s40854-023-00488-0.

(10) Chen, R., Zhou, H., Jin, C., & Liu, J. (2020). Discount or premium? Pricing of structured products: An analysis of Chinese market. International Review of Financial Analysis, 70, 101493. 

https://doi.org/10.1016/j.irfa.2020.101493.

(11) Madan, D., & Wang, K. (2021). Pricing Product Options and Using Them to Complete Markets for Functions of Two Underlying Asset Prices. Journal of Risk and Financial Management. 

https://doi.org/10.3390/jrfm14080355.

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Zwischen Risiko und Chance: Ist der Optionshandel etwas für Privatanleger? https://www.investolab.de/blog/optionshandel-fuer-privatanleger/ https://www.investolab.de/blog/optionshandel-fuer-privatanleger/#comments Wed, 08 Apr 2026 21:26:00 +0000 https://www.investolab.de/blog/optionshandel-fuer-privatanleger/ Weiterlesen

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Warum Optionen für viele Privatanleger abschreckend wirken

Wenn ich Menschen erzähle, dass ich privat mit Optionen trade, kommt fast immer die gleiche Reaktion:

"Optionen sind doch total kompliziert"

oder

"Optionen sind doch super risikoreich und gefährlich"

und dann

"Das ist nichts für mich"

Das kann ich absolut nachvollziehen, denn tatsächlich bedarf der erfolgreiche Optionshandel gewisser Grundkenntnisse als Voraussetzung und er birgt auch - wie jedes andere Investment - gewisse Risiken. 

Ich persönlich schätze Optionen vor allem wegen ihrer logischen Struktur und der lukrativen Renditen.

Also was sind Optionen denn nun?

Optionen sind ein Werkzeug - kein Selbstzweck

Optionen sind wichtige Finanzinstrumente moderner Finanzmärkte und werden an regulierten Börsen gehandelt (9)

Sie sind ein Werkzeug, kein Selbstzweck

Entscheidend für ihre Wirkung und die Handelsergebnisse ist, wie sie eingesetzt werden. 

Was Optionen wirklich sind - einfach erklärt

Eine Option ist grundsätzlich ein Vertrag zwischen zwei Parteien, der dem Käufer das Recht - jedoch nicht die Pflicht - überträgt, einen Basiswert (z.B. eine Aktie, einen Index oder einen Rohstoff) zu einem bestimmten Datum (Fälligkeit) und zu einem vorher festgelegten Preis (Strike oder Ausübungspreis) kaufen oder verkaufen zu können (1) (2) (3).

Ein Beispiel zur Erklärung

Du möchtest 100 Aktien von Apple kaufen und der Aktien-Kurs steht bei 240 USD.

Alternative 1: Direkter Kauf

Dann kannst du entweder sofort 100 Apple Aktien an der Börse kaufen und du bekommst die Aktien sofort in deinem Depot gutgeschrieben.

Steigt der Kurs anschließend, machst du Gewinn

Fällt der Kurs, machst du Verlust.

Dein Investment besteht aus 24.000 USD (100 Aktien x 240 USD).

Alternative 2: Kauf einer Call-Option

Alternativ kannst du auch einen Call mit einem Strike von vielleicht 243 USD kaufen.

Damit erwirbst du das Recht, die Aktien zum Preis von 243 USD kaufen zu können (nicht zu müssen).

Steigt der Kurs der Aktie über 243 USD, nutzt du die Option und kaufst die Aktien für 243 USD. Egal, wie hoch der aktuelle Kurs an der Börse steht.

Fällt der Kurs, lässt du die Option einfach wertlos verfallen.

Dein Investment ist lediglich die Prämie für den Call, vielleicht 500 USD.

Zwei Arten von Optionen

Beim Handel unterscheiden wir zwei unterschiedliche Arten von Optionen:

  • Die Call-Option (Kauf-Option): Sie verschafft dem Käufer das Recht, den Basiswert zum Strike kaufen zu können
  • Die Put-Option (Verkaufs-Option): Sie verschafft dem Käufer das Recht, den Basiswert zum Strike verkaufen zu können (4) (5) (6)

Die zwei Positionen im Optionshandel

Du kannst im Optionshandel 2 verschiedene Positionen einnehmen: Die des Käufers oder die des Verkäufers

  • Du kannst eine Call-Option kaufen (Long Call)
  • Du kannst eine Call-Option verkaufen (Short Call)
  • Du kannst eine Put-Option kaufen (Long Put)
  • Du kannst eine Put-Option verkaufen (Short Put)

Die folgende Grafik zeigt übersichtlich die Unterschiede und Einsatzmöglichkeiten (1) (2) (3) (5) (6) (7)

Uebersicht Optionen

Durch diese vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten bieten Optionen die Möglichkeit, jedes gewünschte Ergebnis abbilden/handeln zu können.

Das Risiko-/Chance-Profil der Positionen

Der Käufer der Option zahlt für den Erwerb des Rechts an den Verkäufer eine Prämie.

Die Höhe der Prämie stellt gleichzeitig seinen maximalen Verlust (Risiko) dar.

Das Gewinnpotenzial ist für den Käufer hingegen unbegrenzt

Der Verkäufer (Auch Stillhalter genannt) erhält für die Übernahme der Verpflichtung die Prämie. Diese darf er immer behalten, unabhängig davon, ob die Option genutzt wird oder nicht.

Die Höhe der Prämie stellt für den Verkäufer den maximalen Profit dar

Das Verlustrisiko ist für den Verkäufer hingegen sehr hoch (1) (2) (5)

Wofür Privatanleger Optionen sinnvoll nutzen können

Grundsätzlich werden Optionen für 3 verschiedene Funktionen genutzt (2) (7)

Hedging (Absicherung)

Zunächst wäre dort die Absicherung zu nennen.

Inhaber großer Portfolios nutzen Optionen, um sich gegen Verluste (Kurseinbrüche, Crashs, Black Swan Events etc.) abzusichern und gleichzeitig die Möglichkeit für Aufwärtspotenziale in der Zukunft zu behalten.

Durch den Kauf von beispielsweise Put-Optionen wird das Depot gegen fallende Kurse gegen Zahlung einer relativ geringen Prämie "versichert", ohne die Wertpapiere im Fall eines negativen Kursverlaufs verkaufen zu müssen.

Dadurch bleibt die Chance auf Kursgewinne in der Zukunft bestehen und ggf. aufgelaufene bisherige Gewinne werden nicht realisiert (lösen keine Steuer aus) (2) (5)

Optionen werden von Unternehmen und institutionellen Investoren zum Hedging genutzt (9)

Spekulation

Durch den Kauf von Call- oder Put-Optionen kann mit sehr niedrigem Kapitaleinsatz direkt auf steigende/fallende Kurse spekuliert werden.

Der Vorteil hier liegt in dem großen Hebel (Verhältnis Kapitaleinsatz zu Gewinnmöglichkeit).

Dem steht allerdings auch das komplette Verlustrisiko der gezahlten Prämie (100%) gegenüber (1) (2) (6)

Trader und spekulative Anleger nutzen Optionen für ihren Handelsansatz (9)

Short Volatility Trades Optionshandel

Arbitrage & Marktkomplettierung

Arbitrage bedeutet, Preisunterschiede zwischen eigentlich gleichen Finanzprodukten auszunutzen und dabei nahezu risikolos Gewinn zu machen (Eine Aktie kostet an der Börse A 200 USD und an der Börse B 202 USD. Dann wird die Aktie an Börse A gekauft und sofort an Börse B verkauft).

Mit Optionen können identische Auszahlungsprofile nachgebaut werden - zum Beispiel eine Aktie über Call, Put und Cash.

Dadurch werden Fehlbewertungen zwischen dem "echten" Produkt und seiner Options-Kombination sichtbar und können ausgenutzt werden (3) (4) (7)

Lediglich professionelle Marktteilnehmer nutzen Optionen, um von diesen kleinen Preisunterschieden zu partizipieren (9) 

Warum viele Privatanleger mit Optionen Geld verlieren

Privatanleger handeln meistens (ca. 66%) einfache, single-leg-options einer einzigen Art von Option.

Das bedeutet, Sie kaufen oder verkaufen lediglich Call- oder Put-Optionen und wetten damit direkt auf den jeweiligen Kursverlauf.

Institutionelle Anleger hingegen verwenden eher komplexe Strategien, bei denen mehrere Optionen miteinander verknüpft werden.

Privatanleger erleiden mit ihren einfachen Strategien Verluste im Vergleich zum Rest des Marktes. Als Begründung sind schlechtes Timing, hohe Kosten und spekulatives Verhalten zu nennen (11)

Für alle Anleger ist der Verkauf von Volatilität die profitabelste Strategie

Diese Effekte sind dauerhaft zu beobachten und lassen sich nicht durch ein systematisches Risiko erklären. 

Was bedeutet: Die Verluste der Privatanleger kommen nicht dadurch zustande, dass sie höhere Risiken beim Handel eingehen, sondern vor allem durch die Art, wie Optionen eingesetzt werden (8)

Privatanleger nutzen Optionen vor allem zur Spekulation; die Absicherung spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Außerdem verfügen sie oftmals nur über begrenzte Optionskenntnisse (Hebel, Margin, Zeitwert), was zu Fehlentscheidungen und wiederkehrenden Verlusten führt (12)

Zwischen Risiko und Chance - wann Optionen wirklich sinnvoll sind

Fassen wir die Chancen- und Risiken des Optionshandel zusammen:

Diese Chancen bietet der Optionshandel

Richtig angewendet, können Anleger mit Hilfe des Optionshandel ihr Portfolio

  • gegen starke Kursschwankungen absichern und
  • gezielt Erträge erzielen

Voraussetzung hierfür ist jedoch umfangreiches Wissen um die Funktionsweise und die Risiken (10)

Diese Risiken beinhaltet der Optionshandel

Gerade ältere Privatanleger verfügen häufig nicht über das benötigte Fachwissen und haben insgesamt eine geringe Finanzkompetenz.

Dies erhöht das Risiko von Fehlentscheidungen beim Handel von Optionen erheblich.

Als Folge hiervon verlieren viele Privatanleger beim Optionshandel Geld (10)

Fazit - Optionen brauchen Struktur, kein Bauchgefühl

Der Optionshandel kann für erfahrene Privatanleger ein nützliches Instrument zur Absicherung und Erzielung einer höheren Rendite sein.

Er ist jedoch komplex und beinhaltet einige Risiken.

Vor dem Eintritt in den Optionshandel werden daher gezielte Bildungsmaßnahmen empfohlen 😉(10)

Optionen sind weder gut noch schlecht

Ihr Nutzen entsteht jedoch erst durch Wissen, klare Regeln und den richtigen Einsatz!

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Literatur / Quellen

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