

Eine Option ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien: Dem Käufer und dem Verkäufer. Sie gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis kaufen oder verkaufen zu können.
Eine Option ist ein Recht zum Kauf oder Verkauf des Basiswertes
Der Wert der Option hängt vom zugrunde liegenden Basiswert ab, zum Beispiel einer Aktie oder einem Index. Deshalb gehören Optionen zu den sogenannten Derivaten.
Vier Begriffe für dein weiteres Verständnis:
Wann genau du dein Recht ausüben kannst, hängt vom Optionstyp ab.
Bei amerikanischen Optionen jederzeit während der Laufzeit, bei europäischen Optionen hingegen nur am Ende der Laufzeit.
Beim Handel einer Option schließen Käufer und Verkäufer einen Vertrag.
Der Käufer erwirbt das Recht, den Basiswert zu einem festgelegten Preis innerhalb einer bestimmten Frist kaufen oder verkaufen zu können.
Dafür zahlt er eine Prämie an den Verkäufer.
Die Prämie ist der Preis der Option. Sie hängt vor allem vom Kurs des Basiswerts, vom Strike, von der Restlaufzeit und von der erwarteten Schwankungsbreite (Volatilität) ab und ändert sich laufend mit der Marktlage.
Der Kauf einer Option beginnt immer mit einer Ausgabe
Der Verkäufer geht die Verpflichtung ein, den Basiswert zum festgelegten Preis zu liefern (beim Call) oder abzunehmen (beim Put), wenn der Käufer sein Recht ausübt.
Für diese Verpflichtung erhält er die Prämie.
Der Verkauf einer Option beginnt immer mit einer Einnahme
Die Prämie darf der Verkäufer in jedem Fall behalten, egal ob der Käufer die Option ausübt oder verfallen lässt.
Nehmen wir an, du hast 100 Aktien von XYZ im Depot. Der Kurs steht bei 120 USD.
Du rechnest mit einem Kursrückgang, bist dir aber nicht sicher. Verkaufen willst du die Aktien eigentlich nicht.
Also kaufst du eine Put-Option (Long Put) mit einem Strike von 110 USD und einer Laufzeit von 90 Tagen. Eine Option bezieht sich an US-Börsen in der Regel auf 100 Aktien, passt also genau zu deinem Bestand.
Diese Option gibt dir das Recht, deine 100 Aktien innerhalb der nächsten 90 Tage für 110 USD je Stück zu verkaufen. Egal, wie tief der Kurs bis dahin fällt.
Dafür zahlst du eine Prämie von beispielsweise 75 USD.
Optionen funktionieren wie eine Versicherung
Und genau wie bei einer Versicherung gibt es zwei Ausgänge:
Deine Aktien verlieren 3.000 USD an Wert.
Deshalb verkaufst du sie über den Put für 110 statt für 90 USD direkt am Markt. Unterm Strich verlierst du nur 1.075 USD: 1.000 USD Kursverlust bis zum Strike plus 75 USD Prämie.
Mehr kann es nicht werden, egal wie tief die Aktie fällt.
Du hast dich also gegen einen höheren Verlust (3.000 USD in diesem Fall) abgesichert.
Der Put verfällt wertlos, die 75 USD sind weg. Deine Aktien haben aber 1.000 USD gewonnen.
Die Prämie war der Preis dafür, ruhig schlafen zu können.
Im Optionshandel unterscheidet man zwei Arten von Optionen:
Dazu kommen zwei Positionen, die du einnehmen kannst:
Aus der Kombination ergeben sich vier Grundpositionen:

Optionen werden aus drei Gründen gehandelt.
Mit Optionen lassen sich Depots und einzelne Positionen gegen Kursverluste absichern, wie im Beispiel oben. Institutionelle Investoren machen das mit großen Portfolios, Privatanleger mit einzelnen Aktien.
Der Vorteil: Du musst deine Position nicht verkaufen und setzt für die Absicherung nur vergleichsweise wenig Kapital ein.
Optionen haben eine Hebelwirkung. Mit wenig Kapital nimmst du an den Kursbewegungen einer deutlich größeren Position teil. Das macht sie für Trader attraktiv, die auf steigende oder fallende Kurse setzen wollen.
Wichtig: Der Hebel wirkt allerdings in beide Richtungen!
Banken kombinieren Optionen mit Aktien, Indizes oder Anleihen und bauen daraus fertige Produkte für Privatanleger. Zwei Beispiele:
Wer diese Produkte kauft, handelt also schon mit Optionen, oft ohne es zu wissen.
Optionen sind unglaublich vielseitig. Was sie aber so attraktiv und zugleich so gefährlich macht, lässt sich auf ein einziges Prinzip zurückführen: den Hebel.
Nehmen wir wieder die Aktie XYZ mit einem Kurs von 120 USD. Du erwartest steigende Kurse und hast zwei Möglichkeiten:
Bei der Aktie ist es einfach: Dein Gewinn oder Verlust ist die Kursveränderung mal 100 Aktien.
Bei der Call-Option brauchst du zwei Schritte:
Liegt der Kurs über dem Strike von 120 USD, ist dein Call die Differenz wert. Denn du darfst 100 Aktien für 120 USD kaufen, die am Markt mehr kosten.
Liegt der Kurs bei 120 USD oder darunter, ist dein Recht nichts wert. Niemand kauft über eine Option zu 120, was er an der Börse billiger bekommt. Die Option verfällt.
Von diesem Wert gehen die 500 USD ab, die du zu Beginn bezahlt hast. Was übrig bleibt, ist dein Ergebnis.
Zum Vergleich die Aktie: Sie gewinnt oder verliert immer genau so viel Prozent wie der Kurs, weil du den vollen Kaufpreis von 12.000 USD eingesetzt hast.

Aus 10% Kursplus werden 140% Rendite. Aus null Bewegung werden minus 100%
Das ist der Hebel (Leverage). Mit einem Bruchteil des Kapitals nimmst du an der Kursbewegung einer ganzen Aktienposition teil.
Prozentual verstärkt das jede Bewegung, nach oben wie nach unten.
Drei Dinge, die du aus diesen vier Zeilen mitnehmen solltest:
Bei +5% hast du mit deiner Einschätzung recht gehabt, verdienst aber nur 100 USD. Die Prämie muss erst wieder eingespielt werden. Erst ab 125 USD bist du im Plus.
Sollte der Kurs also auf 123 USD steigen, liegst du zwar richtig, machst aber trotzdem noch einen Verlust von 200 USD (300 USD Optionswert minus 500 USD Prämie).
Bleibt der Kurs einfach stehen, verliert der Aktionär nichts, der Optionskäufer alles.
Eine Option hat ein Verfallsdatum. Eine Aktie nicht.
Fällt die Aktie um 10%, verlierst du mit den Aktien 1.200 USD, mit der Option nur 500 USD.
Aber diese 500 USD sind dein kompletter Einsatz.
Wer Optionen kauft, riskiert maximal die gezahlte Prämie.
Wer Optionen verkauft, kassiert die Prämie, trägt dafür aber das Risiko auf der anderen Seite des Hebels.
Und das kann deutlich größer sein als die Einnahme.
Als ich vor etlichen Jahren angefangen habe, Optionen zu traden, dachte ich zunächst, den heiligen Gral des Investierens gefunden zu haben.
Ich wusste wenig über Optionen, habe mit großem Risiko getradet und spektakuläre Gewinne erzielt.
Die ich fünf Wochen später mit einem einzigen Trade wieder verloren habe 🫣
Da ist mir der eigentliche Charakter von Optionen klar geworden:
Optionen bieten fantastische Möglichkeiten, wenn man die Risiken richtig handhabt
Also habe ich gelernt, ausprobiert und (m)einen Weg gefunden, mit Optionen profitabel zu handeln. Der Optionshandel ist heute der Kernbestandteil meines eigenen Tradings.
Deshalb weiß ich:
Optionen sind kein Weg zum schnellen Reichtum. Aber sie sind eines der flexibelsten Werkzeuge, die du als Privatanleger nutzen kannst. Wenn du sie verstehst.
(1) Hull, J. C.: Options, Futures, and Other Derivatives, Pearson.
(2) Grill, W. / Perczynski, H. u. a. (2025): Wirtschaftslehre des Kreditwesens, 59. Ausgabe. Westermann.
(3) Eurex Deutschland: Basisinformationsblätter für Aktienoptionen (Call Long, Call Short, Put Long, Put Short), eurexchange.com.
(4) Options Clearing Corporation (OCC): Characteristics and Risks of Standardized Options.