Auch bezeichnet als das 8. Weltwunder
Stell dir vor, du hast die Wahl:
Entweder du erhältst heute eine Million Euro geschenkt. Oder du bekommst einen Cent, der sich 30 Tage lang täglich verdoppelt.
Ich würde intuitiv zur Million greifen – und damit mehr als das Vierfache verschenken.

Genau diesen Denkfehler macht unser Gehirn auch beim Investieren: Wir schätzen lineares Wachstum ganz gut ein, bei exponentiellem Wachstum versagt unsere Intuition fast immer.
Das ist einer der Hauptgründe, warum so viele Menschen zu spät mit dem Investieren anfangen und/oder glauben, mit kleinen Beträgen macht es keinen Sinn: nicht aus Trägheit, sondern weil der Effekt am Anfang unspektakulär wirkt und erst nach Jahren sichtbar wird.
Aus dem Cent, der sich 30 mal verdoppelt, werden übrigens 5.368.709 €.
Klingt kompliziert, ist aber simpel:
Kapital (n) = Kapital (0) × (1 + i)^n
Der entscheidende Unterschied zu "normalen" Zinsen:
Es verzinst sich nicht nur dein ursprüngliches Kapital, sondern auch jeder Euro, den du bereits an Zinsen bekommen hast.
Jahr für Jahr wächst also nicht nur dein Vermögen – die Basis, auf die sich der nächste Zins bezieht, wächst mit.
Deine Zinsen bekommen also ebenfalls Zinsen.
Du investierst 10.000 € mit 7 % Zins pro Jahr.
Nach 10 Jahren: 19.672 € (Kapital (0) = 10.000 x 1,07^10)
Nach 20 Jahren: 38.697 € (Kapital (0) = 10.000 x 1,07^20)
Nach 30 Jahren: 76.123 € (Kapital (0) = 10.000 x 1,07^30)
Bei einfachen Zinsen – also ohne dass sich die Zinsen mitverzinsen – wären es nach 30 Jahren gerade einmal 31.000 €.
Der Unterschied von über 45.000 € entsteht allein dadurch, dass die Zinsen selbst wieder Zinsen erwirtschaften.
Genau diesen Effekt siehst du gleich noch einmal deutlicher im direkten Vergleich.
Ein Unterschied, der über Jahrzehnte entscheidet.
Noch einmal zurück zu unserem Beispiel: 10.000 €, angelegt bei 7 % pro Jahr. Diesmal im direkten Vergleich, was der Unterschied zwischen einfachen Zinsen und Zinseszins über die Zeit tatsächlich bedeutet.

Was hier auffällt: In den ersten zehn Jahren fällt der Unterschied kaum auf – knapp 2.700 €.
Kaum der Rede wert.
Doch je länger das Kapital arbeitet, desto größer wird die Lücke. Zwischen Jahr 20 und Jahr 30 wächst die Differenz allein um mehr als 30.000 €.
Mehr, als in den ersten zwanzig Jahren insgesamt an Unterschied entstanden ist.
Der Effekt wirkt am Anfang unspektakulär.
Wer nur die ersten Jahre betrachtet, unterschätzt fast zwangsläufig, was am Ende dabei herauskommt.
Je früher wir als mit dem Investieren beginnen, desto länger kann unser Kapital arbeiten. Und umso größer fällt der Ertrag am Ende aus.